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Auszug aus dem Buch "Offenen Worte" von Arne Hoffmann. Erschienen 2009 im Marterpfahl verlag. Interview mit Lady Leona: »Manchmal bin ich high von den Sessions.«
Auf ihrer Website (www.ladyleona.de) bietet Lady Leona unter der Überschrift »SM zwischen Kommerz und Passion« ein ungewöhnlich reichhaltiges Menü. Schnell merkt der Besucher, dass für Leona SM und alles, was damit zu tun hat, weit über das reine Geschäft hinausgeht, sondern wirklich eine Herzensangelegenheit ist. Sich selbst stellt die Lady unter anderem mit folgenden Worten vor: »Ich träume von einem angemessenen Umgang mit Sadomasochismus durch die Gesellschaft, auch mit professionellem SM. Vom Berufsbild >Domina< oder >M-Frau<, von SMlern, die ihrer Lust auf SM oder der Befriedigung ihrer Fetischsehnsüchte offen und/oder gegen ein adäquates Entgelt nachgehen können. Ich wünsche mir mehr Öffnung der SM-Studios hin zur Gesellschaft und zur SM-Szene über politische Arbeit und neue, ungeborene und vielleicht noch ungedachte Projekte.Ich schaffe Räume, in denen es in der >realen Welt<, neben der virtuellen, möglich ist, SM-Kultur zu leben. Wo neben Künstlern und Profis auch Privatleute Platz für Fantasien finden oder auch in Therapien oder Supervisionen mit dem SM-Hintergrund gearbeitet werden kann. (…) Ich wünsche mir eine Vermischung der Szenen, Überschneidungen der Kreise, Vernetzung eben. Aber auch eine Rückzugsmöglichkeit für den einzelnen in seine eigene schwarze Welt. Wofür ich mich noch ganz besonders einsetze, ist das Zurechtrücken von vielen verdrehten Bildern, die über meinen Beruf, über professionelle Sessions und Schubladenzugehörigkeit in den meist männlichen Köpfen herumspuken.«
Arne Hoffmann: Leona, wie hast du bei dir zum ersten Mal entdeckt, dass du dominant sein kannst? Lady Leona: Arne Hoffmann: Wie verlief die Zeit, in der du in die SM-Szene hineingewachsen bist? Lady Leona: Wie gesagt, hatte ich eine langjährige Ehe mit SM, aber vollkommen ohne Szene. Außer dem SCHLAGZEILEN-Abo und ab und an mal einem Sadanas-Heftchen gab es keine Szene, und Kontakte schon gar nicht. Aber jede Menge gute und heftige Spiele. Ein halbes Jahr später machte ich die Bekanntschaft mit einer Domina, bei der ich dann einige Monate war. Ich lernte auf der passiven Seite viele wichtige Inhalte zum Beruf SM-Arbeiterin. Das war eine gute Lehrzeit in Sachen Berufskunde. Sie war eine tolle Lady, mit viel praktischer Erfahrung in Gesprächsführung, Werbung und Organisation. In dieser Zeit besuchte ich noch mehrere andere Studios in Deutschland, das war eigentlich meine Lehrzeit als Domina. Ich habe einige sehr unterschiedliche Studio-Konzepte kennengelernt. Vom völlig durchorganisierten Betrieb mit der Zielsetzung, alle seltsamen Wünsche unreflektiert zu erfüllen, bis hin zu einem Erlebnis in einem chaotischen Freudenhaus mit »normalen« Mädchen, wo ich als SMlerin schräg angesehen wurde. Das hat mir sehr geholfen, mein eigenes Konzept zu entwickeln. Arne Hoffmann: Gibt es eigentlich bestimmte Kriterien, an denen ein Kunde ein gutes Dominastudio erkennen kann? Lady Leona: Och, erwarte doch von mir keine Tipps, »wie finde ich eine gute Domina?«!! Da sind ja von Regeln in vielen Internet-Portalen bis hin zu Bewerbungstrainings für Sklaven schon alle Fragen oft beschrieben. Was ist denn ein guter Kunde? Jeder hat da doch andere Filme im Kopf. Was dem einen eine Nummer eins, wäre dem anderen ein Gräuel. Ich sehe grade, du möchtest Kriterien für gute Studios, nicht Dominas. Wenn ein Studio läuft, machen die dort auch etwas richtig, sonst würde es schnell verschwinden. Wenn ein Mann sich in einem Haus für normalen Sex mit Studio eine SM-Session erhofft, wird er sicher enttäuscht werden. Wenn er Sex mit Stiefeln will, geht das vielleicht gut, den kriegt er in unserem Studio nicht. Ich nehme die Studios in den »normalen Häusern« jetzt mal raus, da kenne ich mich auch nicht aus. Nur die Studios sind ja schon alleine sehr unterschiedlich. Es ist wie auf dem normalen Markt auch: Es gibt Discounter und Fachgeschäfte. Was nicht heißen muss, dass die Ware beim Discounter schlecht ist, nur die Rahmenbedingungen stimmen da nicht immer: Druck aufs Personal, unausgebildete Hilfskräfte, ökologisch nicht vertretbar, nicht ganz sauber oder »Made in sonst wo«. Im Fachgeschäft dagegen ist es dann eben teurer. Trotzdem gibt es überall die Möglichkeit einer Fehlentscheidung. Mein Mann und ich haben uns mal über ökologische SM-Artikel Gedanken gemacht. Da kauft man aus ethischen Gründen kein Fleisch, aus politischen Gründen nicht »Made in China« und aus gesundheitlichen Gründen unbehandelte Baumwolle. Aber wenn es um unser Thema geht, fragt keiner. Das ist mal auf jeden Fall ein Projekt für meine Homepage: Wie handle ich als SMlerin, SM-Arbeiterin und Studiobetreiberin ökologisch und was für Möglichkeiten gibt es? Dauert aber noch, weil die Recherche nicht einfach ist. Das ist wohl ein nicht zu Ende gedachtes Thema. Oder eben so individuell wie alle Kaufentscheidungen. Ob ich mir jetzt Gedanken mache, welches Sportstudio ich besuche, welches Auto ich kaufe oder ob ich Discounter verweigere. Es ist sehr persönlich. Und oft nicht durchschaubar. Natürlich sind solche Fehlentscheidungen für Gäste teuer, aber es gibt nichts anderes, als sich auf sein eigenen Gespür zu verlassen. Wenn ich eine Session kaufen würde, würde ich wahrscheinlich auch reinfallen, weil mein Beuteschema »Mann« vielleicht nicht mit dem übereinstimmt, was ich mir in einer gelungenen Session vorstellen würde. Ich hatte mal eine misslungene Session mit einem SMler, der eigentlich sehr nett war. Wir hatten einen guten Draht, eine aufregende Vorbereitungszeit per Mail, und es fing gut an. Ich begann mit einer heftigen Fesselung und überließ ihn dann wie besprochen einer Gastfrau. (Gastfrauen sind Frauen aus privatem Kontext, die Lust haben, mal einen Mittag unentgeltlich im Studio zu verbringen.) Jetzt ist es aber so, dass ich diese Gastfrauen nicht immer ins Vorgespräch einbeziehe. Das ist ja auch ein Kick dabei für den Gast: Sie kommt rein, und er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Auf jeden Fall war sie nicht sein Typ, machte nur Sachen, die er nicht mochte und brachte ihn so zum Aufgeben, zum Rausgehen aus der Situation. Weißt du, was ich meine? Er reagierte nicht mehr angemessen. Ich spürte das schon, hatte aber keine gute Möglichkeit einzugreifen, weil sie eigentlich sehr gut spielte, aber eben nicht auf ihn angemessen reagierte. Sie fuhr ihren eigenen Film. Das ist eben so: Diese Gastfrauen kommen, weil sie sehen möchten, spielen, lernen, aber nicht um zu verdienen und nicht um Dienst zu leisten. Ich beendete es dann und er war völlig unzufrieden. Er schimpfte und beschwerte sich. Ich bot ihm eine kleine weitere Session zu einem anderen Termin an. Wer lag daneben? Der Gast oder ich? Er wollte dieses Kribbeln des Ungewissen, aber ich hatte mich auf eine Situation eingelassen, die für mich auch schwer einschätzbar war. Ein gleichzeitiges Spiel mit zwei Fremden kann schon daneben gehen. Kurz darauf hatte mich ein Mann, der mit seiner Partnerin das Studio gemietet hatte, gebeten, am Ende seiner Session noch eine halbe Stunde mitzumachen. Ich erwartete ein gemeinsames Spiel mit einem Herrn und seiner Sklavin. Als ich hereinkam, saß er im Sessel, die Sklavin präsentiert und geschmückt, und der Meister wollte eine Vorstellung sehen. Ich spielte also mit dieser Frau, die ich nie zuvor gesehen hatte, von deren Vorlieben ich keine Ahnung hatte, die mich nur mit hungrigen Augen ansah. Und es war ein Leichtes, sie zu nehmen. Das hat mich sehr beruhigt. Arne Hoffmann: Was macht denn umgekehrt einen guten Kunden aus? Lady Leona: Arne Hoffmann: Um ein gutes Dominastudio am Laufen zu halten muss man vermutlich mehr auf dem Kasten haben, als nur die Peitsche schwingen zu können. Welche Fähigkeiten und Kenntnisse benötigt man hier eigentlich? Erzähl doch bitte mal von deinen eigenen Erfahrungen – du hattest »Gesprächsführung, Werbung und Organisation« erwähnt …? Lady Leona:
Arne Hoffmann: In deinem Studio finden manchmal auch bestimmte Veranstaltungen statt. Was kannst du darüber berichten? Lady Leona: Es gibt eine Veranstaltung für Paare, die nur ganz privat und quasi mit Einladung in der Szene genutzt wird. Dann veranstalte ich mit Sharka, meiner Partnerin, zusammen Femdom-Abende; erst vor kurzem war wieder einer. Wir waren sieben Frauen, zum Teil Dominas, zum Teil unerfahrene Frauen aus der privaten Szene und sieben Männer/Gäste, die wir ins Studio eingeladen hatten. Was wir in den letzten beiden Jahren noch versuchten, ist tatsächlich, Szeneleute und Studiogäste zusammen zu bringen. Beim Sonntagsbrunch kann man sowohl eine Session buchen, als auch ganz normal zur Party kommen und mit einer eigenen Spielpartnerin Spaß haben, oder nur das Buffet genießen. Allerdings haben wir gerade so viele Veranstaltungen und Vermietungen, dass wir das ein wenig einschränken müssen. Die Studiovermietung ist auch eine Möglichkeit für Frauen, zu uns zu kommen, die immer mehr genutzt wird. Es gibt Paare, die kommen aus einer anderen Stadt und verbringen hier eine Nacht mit Städtekurzurlaub, das Hotel haben sie sich gespart. Das alles fühlt sich für mich sehr gut und richtig an. Arne Hoffmann: Du gibst auch Fernerziehungen per Email. Wie genau darf man sich das vorstellen?
Lady Leona: Lieber xxx Ich freue mich an Ihrem Interesse an einer Emailerziehung. Das ist eine Sache, die sehr erregend und tief sein kann. Man kann per Email sehr intensive Erziehungen veranstalten. Ich werde Sie und Ihre Gedanken in meiner Macht haben. Wenn Sie glauben, das ist ja ganz einfach, man muss ja nicht immer die Wahrheit schreiben, ist das ein Trugschluss. Wenn Sie mir gegenüber nicht offen sind, verderben Sie sich Ihr eigenes Spiel. Zuerst einmal möchte ich mehr über Sie wissen. Was sind Ihre Träume, Ihre Fetische, Ihre Vorlieben? Wie viel Erfahrung haben Sie schon? Zu mir haben Sie ja schon einiges auf meiner Homepage gelesen. Vielleicht ist da ja etwas dabei, das Sie erregt. Dann zum Thema Lohn: Vor Beginn der eigentlichen Erziehung werden xxx,-EUR auf mein Konto überwiesen, das heißt also, wenn Sie mir Ihre Vorstellungsmail geschrieben haben und ich mich entschieden habe, Sie als Zögling zu akzeptieren. Die Erziehung stelle ich mir so vor: Sie bekommen Mails von mir, Anweisungen, Situationen, Wünsche. Diese sollten befolgt werden! Es werden unterschiedlich viele sein, aber mindestens eine längere pro Woche. Kurzen Austausch kann es auch mehrmals täglich geben, das kommt auf unsere PC-Nutzungsgewohnheiten an. Denkbar wäre auch ein Treffen im Chat, oder mal per SMS. Nun erwarte ich eine Bewerbungsmail, oder zumindest eine kurze Absage. Mit freundlichen Grüßen Leona
Ein Anfangsbrief, nachdem ich den Bewerbungsbogen erhalten habe, könnte dann vielleicht bei diesem speziellen Gast, so aussehen:
Lieber XXX Zur Keuschheit: Ich finde es sehr erregend, wenn Du mir sagst, wann Dich etwas geil gemacht hat. Kommen wirst Du dann, wenn ich es Dir erlaubt habe (gilt nicht am Wochenende). Ansonsten möchte ich, dass Du keusch bleibst. Zum Abbinden: Jeden Tag solltest Du zwei Stunden abgebunden sein. Was mir daran gefällt sind herausfordernde Situationen, z. B. beim Kundengespräch. Natürlich wirst Du diese Dates noch besser gestalten als die ohne Band. Denn Du tust das ja dann für mich, Deine Herrin!!! Ich möchte, dass das zu bestimmten Zeiten ist, so das ich weiß: Jetzt ist er prall und unfrei :–)) Am besten wäre nachmittags von 14.00 bis 16.00 Uhr. Zum Essen: Ich kenne Dich nicht, weiß nicht um Deine Gewohnheiten, ich selbst versuche gesund und natürlich zu essen, möglichst ohne Fleisch. Deshalb wird das vielleicht etwas schwierig für Dich. Unter der Woche wirst Du auf jeden Fall auf so was Zuckerhaltiges wie Berliner verzichten müssen. Gegen Obst (am liebsten Äpfel aus Deutschland) habe ich nichts. Zum Kontakt: Wir werden nicht täglich Kontakt haben, ich bin Mittwoch bis Freitag im Studio, jetzt gerade bin ich privat, da werde ich sicher nicht so frei und aufregend SMS schreiben. Aber das wird sich noch einspielen. Wenn Du ein wirklicher Sklave bist, Dich zurückhalten kannst, nicht sofortige Befriedigung Deiner geilen Gedanken forderst, auf die Gewohnheiten Deiner Herrin Rücksicht nimmst und versuchst zu tun, was auch Ihr gefällt :–) , werden wir eine gute und intensive Zeit haben. Ich habe bisher einen spannenden und guten Eindruck von unserer Beziehung, ich bin neugierig auf Dich und habe Lust auf Spielchen. Das ist klasse und macht mich an. Also: Du kannst mir so viele SMS schreiben, wie Du Lust hast, aber erwarte nicht, dass ich immer antworte. Das tue ich nach meiner Lust. Ich wünsche Dir einen schönen Tag Leona
So beginnt es vielleicht, und was danach kommt, ist meistens sehr aufregend oder auch lustig. Da man das sehr individuell gestalten kann, ist es auch jedes Mal ganz anders. Da gibt es eben je nach Wünschen ganz unterschiedliche Beziehungen. Vor Jahren hatte ich mal eine wunderbare Beziehung zu solch einem Sklaven. Er war wirklich sehr neu und befolgte alle meine Befehle ganz wunderbar. Bis ich ihn eines Tages in einen SM-Shop schickte, wo er sich einen Anzug kaufen sollte. Leider ist er aus diesem Shop nie wieder herausgekommen, jedenfalls habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Sicher hat er dort etwas ganz Wunderbares getroffen. (lächelt) Mit ihm habe ich sehr aufregende Sachen erlebt. Immer wieder bekam ich eine nette SMS, zum Beispiel aus einem Zelt irgendwo in der Wildnis, wo er dann irgendwelche wichtigen Aufgaben seiner Herrin mit Gummibändern, Handschuhen und Wäscheklammern befolgen musste. Und ich bin sicher, er hat das getan. Ich bin da ein gutgläubiger Mensch. Oder es gab einen Mann, der sehr viel mit seinem Wagen unterwegs war, und den ich immer von irgendwelchen besonderen Etablissements oder Wohnwagen fern halten sollte. Was es da nicht alles gibt! Ich sorgte also dafür, dass er für eine gewisse Zeit anständig geblieben ist. Oder ich habe ihm selbst befohlen, solch einen Wagen zu suchen. Dann sollte er hineingehen und der Dame erzählen, dass er das für seine Herrin tun muss. Und man kann die Sklaven natürlich auch sehr schön keusch halten … oder sonst wie trainieren. Zum Beispiel zu bestimmten Zeiten zur Toilette zu gehen, oder Fesseln zu tragen, verrückte Bilder mit der Webcam zu machen oder ohne Unterwäsche zu arbeiten … Das macht sehr viel Spaß und eigentlich kickt es mich auch, so wie eben Geschichten kicken können, die sich im Kopf abspielen.
Arne Hoffmann: Mit welchen Problemen müssen die Partner von Dominas zurechtkommen, und wie versuchst du da zu helfen? Lady Leona: Unsere Gäste im Studio erregen uns auch, fördern unsere Kreativität, und wir erleben mit ihnen oft gute Sessions. Manchmal bin ich high von den Sessions und rufe nach einer Session voller Tatendrang zu Hause an, lasse ihn sich vorbereiten auf ein großes Spiel und kann es kaum erwarten, bis es losgeht. Trotzdem kann es sein, dass er nicht sofort erregt in die SM-Geschichte eintauchen will. Ich vergesse dabei eben ein klein wenig, dass er ja auch in seiner Berufswelt ist, die so weit weg ist von meiner Studiowelt. Im Studio wollen unsere Gäste gute, fantasievolle, erregende Abenteuer erleben. Kreative und einfühlsam konsequente Herrinnen, die perfekt gestylt sind. Das kann auch sehr anstrengend sein. Manchmal bin ich am Ende leer und müde. Kann keine Stiefel mehr sehen … und mag nur noch kuscheln.Aber wie erklärt man einem geliebten Partner, dass man nach einem Tag voller SM nun ausgerechnet auf ihn keine Lust mehr hat? Und damit muss unsere Beziehung leben. Mein Partner muss bereit sein, mich so zu ertragen, wie ich drauf bin. Ich hoffe, dass ich ihm dann bei anderen Gelegenheiten etwas dafür zurückgeben kann. Na ja, er hat die Domina mit dem SM-Wissen (und dem Kleiderschrank …), um die ihn die Sklaven beneiden. Viele Spiele im Studio oder privat inspirieren mich, machen mir Lust auf mehr, davon profitiert dann auch mein Partner. Dieses Thema ist sehr schwierig, aber passiert das nicht in anderen Berufen auch? Dass die Karriere die Beziehung aushöhlt? Ich bin immer noch der Meinung, es gibt zu wenige Hilfsangebote für die speziellen Probleme dieser verschiedenen Gruppen. Aber diese Angebote kann man ja auch schaffen. So ist es bei uns im Studio inzwischen fast üblich, Supervisionen zu machen. Und das ist ziemlich gut. Warum bildet sich z. B. in der »Sklavenzentrale« im Internet nicht ein Zirkel zum Thema: Meine Partnerin ist Profi, oder mein Mann geht ins Studio? Vielleicht ist das aber auch gar keine berufsbezogenen Geschichte, sondern eher normale SM-Laufbahn: Menschen lernen einander kennen, finden endlich nach vielen Versuchen den Partner, der scheinbar in all seinen Wünschen und Sehnsüchten passt, und erleben nach einiger Zeit, dass scheinbar nichts so ist wie gedacht. Sie vergessen, dass nicht alles vom passenden SM-Kick abhängt, sondern vom aufmerksamen Umgang miteinander. SM kann man immer wieder neu für sich erfinden, die Achtung vor dem anderen und der Wunsch auch Sehnsüchte des anderen zu erfüllen vorausgesetzt.Inzwischen glaube ich, dass der Unterschied zwischen SMlern und »Normalen« viel kleiner ist, als SMler gerne annehmen: Wir sind nicht besonders toll, nicht besonders krank, und auch nicht so benachteiligt, wie wir uns gerne manchmal sehen. Wir haben nur etwas andere Probleme in manchen Bereichen. Arne Hoffmann: Du hast erklärt, dass Macht und Ohnmacht für dich zwei Seiten derselben Medaille seien. Könntest du dir vorstellen, bei SM-Spielen auch die devote Rolle einzunehmen? Darf man solche Wünsche als Domina überhaupt laut äußern, oder wird man dann nicht mehr als ausreichend dominant wahrgenommen? Wie sieht das mit deinen Kolleginnen aus?
Lady Leona:
Arne Hoffmann: Niemals? Lady Leona: Ich werde mich nicht unterwerfen, aber: Ja, ich habe Erfahrungen damit. Ich habe alles, was ich anderen tue, schon selbst gespürt. Ich bin Switcherin, mit Leib und Seele. Aber den Teil von mir, der Leona ist, den kann man nicht dominieren! Sie ist die kühle blonde Herrin, die zwar auch mal für sich Lust im Spiel zulässt, wenn es passt, die auch mal etwas von sich zeigt und erotisch spielt. Ich bin Leona mit der ganzen Aura der Autorität und Macht. Alles andere wäre ein Verbiegen und würde nicht funktionieren. Und selbst wenn mein Beruf natürlich auch eine Dienstleistung ist, so kann ich nur mit dem dienen, was ich beherrsche, und da gehört der Spagat von Switchen eben nicht dazu. Lieber der Spagat von ganz verschiedenen Rollen. Ich liebe Rollenspiele, habe einen riesigen Fundus an Fantasien und Klamotten dazu, erzähle super gerne in den Sessions abgefahrene Geschichten und lebe dann sehr schnell auch in diesen Situationen. Da ist die »Herrin« nur die dominante Spitze des Eisbergs. Wie berührend ist es, einen beschämten »Schüler« vor sich zu haben oder aber einen souveränen Geschäftsmann in die Knie zu zwingen, mit Worten, Berührungen, Klischees, Gesten …Da heiligt der Zweck die Mittel, und ich werde so gerne zur puren Erotik oder zur bösartigen Erzieherin. Wie gut kann es ankommen, wenn ich unschuldig beginne und dann mit hammerharten Sätzen einen gestandenen Mann in meine kleine gefügige Freundin verwandle … Oder wenn ich zulasse, dass mein Spielobjekt im wahrsten Sinne des Wortes zum Schweinwerden kann, mit Maske und Stall. Und wenn der sonst so kleine Mann hier groß und hart im Nehmen sein kann, stolz die Strafe aushält, die ihm die Chefin aufbrummt und dabei ihr erotisches Opfer sein darf. Ach, da gibt es so wunderbare Spiele! Das ist das eigentliche Feld der meisten Kicks: Rollen zu spielen, die so gut in unserem Bauch ankommen, uns so berühren und für kurze Zeit in ein Fantasieland beamen, das wir nur hier erleben können. Arne Hoffmann: Du hast mich gebeten, in diesem Interview auch einen Punkt anzusprechen, der dich seit einiger Zeit beschäftigt: Was macht eigentlich ein Gast, der mit einem Absturz aus einem Studio geht …? Lady Leona: Nun ist es ja so, ein Mann geht in ein Studio, erwartet die ultimative Session und bekommt vielleicht viel mehr, als er wollte. Ich meine vor allem die Gäste, die kommen und sich wünschen, dass eine Herrin sie ohne Gnade schlägt oder ähnliches. Und die Herrin tut das dann auch, auf seinen direkten Wunsch hin. So etwas gibt es nicht selten. Ich selbst nehme diese Gäste nicht gerne an, die wirklich darauf bestehen, mit Knebel und gefesselt völlig verdroschen zu werden. Weil ich diesen Wunsch eben nicht wirklich erfüllen kann. Arne Hoffmann: Wie stellst du dir deine Zukunft vor? Lady Leona: Ein Thema, das ich gerne mehr bearbeiten möchte, ist: Wie werden SMler im Alter leben? Sind SM-WGs ein Weg? Ist spezielle Betreuung gefragt? Spezielle Spielformen, zum Beispiel Rollenspiele, die weniger extrem sind, oder die eben nicht ein ganzes Studio benötigen? Meine ursprüngliche Ausbildung dreht sich um die psychischen Bedürfnisse und Betreuungsformen alter Menschen. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich diese beiden Berufe miteinander verknüpfe und daraus einen neuen Weg finden werde. Einerseits will ich nicht ohne Sessions sein, andererseits kann ich mir aber schon andere Arbeitsformen vorstellen als das Studio zu leiten. Auf jeden Fall möchte ich gerne weiter praktisch mit Frauen und mit Männern arbeiten. Ich habe für mich schon einige interessante Perspektiven im Kopf. Ich würde natürlich noch gerne sehr viel mehr erzählen. Die ganzen liebenswürdigen, lustigen und auch ernsten Geschichten, die so im Studioalltag passieren. Aber das würde wohl mehr als ein Buch füllen. |
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